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Kanzlerkandidat ist die Bezeichnung fur die Spitzenkandidaten die in der Bundesrepublik Deutschland traditionell fur die aussichtsreichsten Parteien bei einer Bundestagswahl antreten Die Parteien geben damit zu verstehen dass ihre Bundestagsfraktion diesen Kandidaten im neu konstituierten Deutschen Bundestag zum Bundeskanzler wahlen will Die ubrigen Parteien verzichten normalerweise auf die Benennung eines Kanzlerkandidaten Vor 2002 traten ausschliesslich ein Kandidat der Schwesterparteien CDU CSU und ein Vertreter der SPD unter dieser Bezeichnung gegeneinander an Zur Bundestagswahl 2002 trat zum ersten und bisher einzigen Mal ein Kanzlerkandidat der FDP an zur Bundestagswahl 2021 wurde erstmals eine Kanzlerkandidatin von Bundnis 90 Die Grunen aufgestellt 1 Wahlplakat mit Helmut Kohl Leipzig 1990 Kohl halt den Rekord sechsmal Kanzlerkandidat gewesen zu sein 1976 und zwischen 1983 und 1998 das erste Mal noch als Oppositionsfuhrer Der Bundeskanzler wird gemass Artikel 63 des Grundgesetzes fur die Bundesrepublik Deutschland nicht vom Volk sondern vom Deutschen Bundestag auf Vorschlag des Bundesprasidenten gewahlt Dies gilt insbesondere fur den Beginn einer neuen Wahlperiode des Bundestages da zu diesem Zeitpunkt die Amtszeit des bisherigen Bundeskanzlers endet und somit ein neuer Bundeskanzler zu wahlen und eine neue Bundesregierung zu bilden ist Da die Mehrheitsverhaltnisse im Bundestag auch fur die Wahl des Bundeskanzlers ausschlaggebend sind nominieren die beiden grossen Parteien traditionell bereits vor der Bundestagswahl einen Kanzlerkandidaten um der wahlberechtigten Bevolkerung darzustellen wer ihrer Meinung nach Bundeskanzler werden sollte Inhaltsverzeichnis 1 Nominierung 2 Geschichte 3 Kanzlerkandidaten seit 1949 4 Siehe auch 5 Literatur 6 Weblinks 7 EinzelnachweiseNominierung BearbeitenEs gibt kein geregeltes Verfahren zur Nominierung eines Kanzlerkandidaten In der politischen Praxis nominieren die grossen Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl bis zu einem Jahr im Voraus ihren Kanzlerkandidaten oft durch Abstimmung auf einem Parteitag Der jeweilige Kanzlerkandidat ist im folgenden Wahlkampf die Hauptfigur der Partei auch wenn er nicht direkt vom Wahlvolk gewahlt werden kann stattdessen wird seine Aussicht auf das Amt des Bundeskanzlers durch die Stimmabgabe des Wahlers gestarkt indem dieser die Partei des Kanzlerkandidaten wahlt Auf dem SPD Parteitag 1960 in Hannover wahlte zum ersten Mal eine deutsche Partei einen Kanzlerkandidaten Dabei handelte es sich um den Regierenden Burgermeister von Berlin Willy Brandt Der SPD Stratege und langjahrige Wegbegleiter Brandts Egon Bahr erklarte ruckblickend der damalige Bundestagsabgeordnete Klaus Schutz habe diese Idee aus den USA mitgebracht als er den Wahlkampf des Prasidentschaftskandidaten der Demokraten John F Kennedy beobachtete 2 Bis auf Angela Merkel 2021 ist der amtierende Bundeskanzler jedes Mal erneut bei der jeweils nachsten Bundestagswahl angetreten um durch die Unterstutzung der Wahler sein Amt weiterfuhren zu konnen Gleichwohl kann es in der Partei des Bundeskanzlers zu einer Diskussion daruber kommen ob der Amtsinhaber nochmals antreten sollte wie im Vorfeld der Bundestagswahl 1998 als in der CDU Stimmen laut wurden die einen Generationswechsel vom seit 1982 amtierenden Kanzler Helmut Kohl zum CDU CSU Fraktionschef Wolfgang Schauble forderten 3 4 Die Festlegung auf einen Kanzlerkandidaten einer Position mit grosser medialer Wirksamkeit kann besonders bei der jeweiligen Oppositionspartei zu starken Auseinandersetzungen innerhalb der Partei fuhren wie etwa im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 als mit dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel dem Vorsitzenden der SPD Bundestagsfraktion Frank Walter Steinmeier und dem ehemaligen Bundesminister der Finanzen Peer Steinbruck gleich drei Namen in der SPD als Kanzlerkandidaten im Gesprach waren 5 Die Schwesterparteien CDU und CSU nominieren einen gemeinsamen Kandidaten bisher fiel die Wahl dabei zweimal 1980 und 2002 auf einen Kandidaten der CSU namlich auf die jeweiligen Parteivorsitzenden Franz Josef Strauss bzw Edmund Stoiber Im Vorfeld der Bundestagswahl 2002 wurde fur die Entscheidung zwischen den beiden moglichen Unions Kanzlerkandidaten der CDU Vorsitzenden Angela Merkel und Edmund Stoiber der Begriff Kanzlerfrage kurz K Frage gepragt Ublicherweise ist ein Kanzlerkandidat der als Herausforderer eines amtierenden Kanzlers antritt Partei bzw Fraktionsvorsitzender oder Regierungschef eines der deutschen Lander Ausnahmen waren die Kanzlerkandidaturen fur die SPD von Hans Jochen Vogel 1983 Frank Walter Steinmeier 2009 Peer Steinbruck 2013 und Olaf Scholz 2021 Dreimal 1969 2009 und 2021 traten mit Willy Brandt Frank Walter Steinmeier und Olaf Scholz auch die amtierenden Stellvertreter des Bundeskanzlers die in einer Grossen Koalition von CDU CSU und SPD amtierten als Kanzlerkandidaten an Ublicherweise erhalt der Kanzlerkandidat von seinem Heimat Landesverband den ersten Platz auf der Landesliste Gerhard Schroder und Olaf Scholz sind die einzigen Bundeskanzler die als vom Parteivorsitz abweichende Kanzlerkandidaten nach einer Bundestagswahl neu in ihr Amt kamen als Amtsinhaber traten Ludwig Erhard und Helmut Schmidt jeweils erfolgreich ohne Parteivorsitz zur Wiederwahl an Gerhard Schroder hingegen nicht erfolgreich Geschichte Bearbeiten nbsp Wahlplakate 1961 mit den Portrats von Kanzlerkandidat Willy Brandt SPD und Bundeskanzler Konrad Adenauer CDU Im Norddeutschen Bund und im Kaiserreich 1871 1918 wurde der Kanzler vom Kaiser ernannt das Volk und der von diesem gewahlte Reichstag hatten noch kein Mitspracherecht bei der Besetzung dieses Amtes In der Weimarer Republik 1918 1933 wurde dem Reichstag ein destruktives Misstrauensvotum eingeraumt das zum Rucktritt des Kanzlers fuhrte wahrend die Ernennung des Kanzlers weiterhin dem Staatsoberhaupt dem Reichsprasidenten oblag Dementsprechend war die Benennung von Kanzlerkandidaten noch nicht ublich ebenso wenig wie in den ersten Jahren der Bundesrepublik seit 1949 die Benennung eines Kanzlers war vielmehr ein Gegenstand von Koalitionsverhandlungen und wurde erst nach der Wahl vom jeweils siegreichen Parteienbundnis durchgefuhrt Eine Entwicklung die erst im Laufe der 1950er Jahre zu ihrem vorlaufigen Abschluss kam brachte hier eine Veranderung die Konzentration der Wahler auf wenige wettbewerbsfahige Parteien und die damit einhergehende Herausbildung von CDU und CSU sowie SPD zu grossen Volksparteien mit Aussicht auf eine absolute Mehrheit der Mandate im Parlament oder auf ein Bundnis mit einem kleineren Koalitionspartner Nun erst konnten diese Parteien realistisch mit dem Anspruch auftreten ihren Kandidaten im Falle eines Wahlsieges auch tatsachlich als Bundeskanzler durchzusetzen Bevor 1960 zum ersten Mal mit Willy Brandt ausdrucklich ein Kanzlerkandidat nominiert wurde galten die jeweiligen Partei und Fraktionsvorsitzenden der Opposition als naturliche Kandidaten nbsp Schuhe mit der Nummer 18 auf der Sohle Der FDP Vorsitzende Guido Westerwelle prasentierte sich 2002 gemass der Strategie 18 als Kanzlerkandidat der 18 Prozent der Stimmen einfahren sollte Es wurden 7 4 Prozent Nachdem die Nominierung eines Kanzlerkandidaten lange Zeit nur von den beiden grossen im Bundestag vertretenen Parteien CDU CSU und SPD erfolgte kurte die FDP zur Bundestagswahl 2002 mit ihrem Vorsitzenden Guido Westerwelle erstmals ebenfalls einen Kanzlerkandidaten Die Nominierung erfolgte mit der Zielsetzung in einem personalisierten Medienumfeld auf Augenhohe mit den Kanzlerkandidaten Gerhard Schroder SPD und Edmund Stoiber CDU CSU aufzutreten und als Erganzung des offiziellen Wahlziels einen Anteil von 18 Prozent der Zweitstimmen zu erreichen Strategie 18 Der Versuch die Teilnahme an den Fernsehdebatten der Kandidaten Schroder und Stoiber durch eine gerichtliche Entscheidung zu erzwingen brachte der FDP vor dem Bundesverfassungsgericht eine Niederlage ein 6 Demnach scheidet eine Teilnahme des Vorsitzenden der Beschwerdefuhrerin aus weil er was die Beschwerdefuhrerin letztlich selbst nicht bestreitet keine realistische Aussicht hat nach der Wahl am 22 September 2002 das Amt des Bundeskanzlers zu ubernehmen Auszug aus der Gerichtsentscheidung Guido Westerwelles Auftreten als Kanzlerkandidat wurde von den Medien kritisch bis hamisch kommentiert sogar Westerwelle selbst bezeichnete seine Benennung als Kanzlerkandidat im Nachhinein als Fehler Zur Bundestagswahl 2021 wurde mit Annalena Baerbock erstmals eine Kanzlerkandidatin von Bundnis 90 Die Grunen aufgestellt nachdem der Partei von ca Oktober 2018 bis Juli 2021 kontinuierlich Umfragewerte als zweitstarkste Kraft nach der CDU CSU und somit auch vor der SPD bescheinigt wurden 7 8 Bei der Wahl konnten sich die hohen Umfragewerte jedoch nicht bestatigen da die Grunen nur drittstarkste Kraft wurden wahrend die SPD die Wahl mit ihrem Kandidaten Olaf Scholz sogar noch knapp vor der CDU CSU gewinnen konnte Nach der Wahl wurde die Partei aber Teil der Ampel Koalition unter Scholz und stellten mit dem Wirtschaftsminister Robert Habeck den Vizekanzler wahrend Baerbock zur Aussenministerin ernannt wurde Kanzlerkandidaten seit 1949 BearbeitenDie folgende Tabelle nennt alle Spitzenkandidaten bzw ab der Bundestagswahl 1961 Kanzlerkandidaten die seit 1949 fur die grossen Parteien CDU CSU und SPD bei Bundestagswahlen angetreten sind im Jahr 2002 auch fur die FDP und im Jahr 2021 auch fur Bundnis 90 Die Grunen Kanzlerkandidaten bis 1957 Spitzenkandidaten 1 Wahljahr CDU CSU SPD Grune 2 FDP 31949 Konrad Adenauer Kurt Schumacher1953 Konrad Adenauer Erich Ollenhauer1957 Konrad Adenauer Erich Ollenhauer1961 Konrad Adenauer Willy Brandt1965 Ludwig Erhard Willy Brandt1969 Kurt Georg Kiesinger Willy Brandt1972 Rainer Barzel Willy Brandt1976 Helmut Kohl Helmut Schmidt1980 Franz Josef Strauss Helmut Schmidt1983 Helmut Kohl Hans Jochen Vogel1987 Helmut Kohl Johannes Rau1990 Helmut Kohl Oskar Lafontaine1994 Helmut Kohl Rudolf Scharping1998 Helmut Kohl Gerhard Schroder2002 Edmund Stoiber Gerhard Schroder Guido Westerwelle2005 Angela Merkel Gerhard Schroder2009 Angela Merkel Frank Walter Steinmeier2013 Angela Merkel Peer Steinbruck2017 Angela Merkel Martin Schulz2021 Armin Laschet Olaf Scholz Annalena Baerbock1 Hervorgehobene Namen Anschliessend Bundeskanzler 2 Bundnis 90 Die Grunen hat schon vor 2021 Spitzenkandidaten aufgestellt jedoch keine Kanzlerkandidaten 3 Die FDP hat auch vor und nach 2002 Spitzenkandidaten aufgestellt jedoch keine Kanzlerkandidaten Siehe auch BearbeitenSchattenkabinettLiteratur BearbeitenDaniela Forkmann Saskia Richter Hrsg Gescheiterte Kanzlerkandidaten Von Kurt Schumacher bis Edmund Stoiber VS Verlag Wiesbaden 2007 ISBN 978 3 531 15051 2 Weblinks Bearbeiten nbsp Wiktionary Kanzlerkandidat Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen nbsp Wiktionary Kanzlerkandidatin Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Alle Unions Kanzlerkandidaten auf den Seiten des HandelsblattsEinzelnachweise Bearbeiten tagesschau de Baerbock oder Habeck Wer tritt fur die Grunen an Abgerufen am 11 April 2021 Egon Bahr Das musst du erzahlen Erinnerungen an Willy Brandt Propylaen Berlin 2013 ISBN 978 3 549 07422 0 S 24 Jeder misstraut jedem In Der Spiegel Nr 18 1998 S 22 24 online Tausch geplatzt In Der Spiegel Nr 26 1998 S 18 online 1998 Der Aussenseiter In Der Spiegel Nr 40 2012 S 18 24 online Entscheidung 2 BvR 1332 02 ZEIT ONLINE Grune wollen Kanzlerkandidatur am 19 April bekannt geben Abgerufen am 11 April 2021 FAZ NET Annalena Baerbock wird Kanzlerkandidatin der Grunen Abgerufen am 19 April 2021 Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Kanzlerkandidat amp oldid 237060945