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Reinhild von Riesenbeck auch Reinhild von Westerkappeln ist eine Heilige und Martyrin der romisch katholischen Kirche Der Legende nach lebte sie im 12 Jahrhundert in Westerkappeln im Tecklenburger Land Kreis Steinfurt und wurde von ihren Eltern ermordet Sie wird im Bistum Osnabruck seitdem als Martyrerin verehrt 1 Ihr Gedenktag ist am 30 Mai Reinhild ist in der Kultur der Ortschaften Riesenbeck und Westerkappeln fest verankert Sie wird in Riesenbeck Sunte Rendel Plattdeutsch oder auch Reinhildis kurz Rendel genannt Reinhild Epitaph nach einer Abbildung von 1858 Inhaltsverzeichnis 1 Sage 2 Gedenkkultur 2 1 In Riesenbeck 2 2 In Westerkappeln 3 Historische Einordnung 4 Literatur 5 EinzelnachweiseSage BearbeitenDas Leben der Reinhildis ist in einer Sage ubermittelt die im Tecklenburger Land sehr bekannt ist Die erste bekannte Aufzeichnung ist eine Niederschrift aus dem Jahre 1629 verfasst von Sweder von Schele 2 3 Im Juni 1629 war eben dieser Sweder von Schele zu Gast bei seinen Verwandten auf der Surenburg in Riesenbeck In dieser Zeit besuchte er das Grab seiner Tante in der Pfarrkirche St Kalixtus Riesenbeck Bei seinem Gang durch die Kirche fiel ihm das Epitaph der hl Reinhildis auf Die besonders kunstlerisch gestaltete Grabplatte liess ihn vermuten dass diese das Grabmal der Stifterin der Kirche sei Daraufhin erkundigte er sich uber die in der Umschrift der Grabplatte genannte Reinhildis Es wurde ihm berichtet dass Reinhildis eine Bauerntochter aus Westerkappeln gewesen sei Das junge Madchen habe beim Vieh huten des Ofteren das Vieh alleine gelassen und habe stattdessen die Kirche aufgesucht um zu beten Ihr Stiefvater war uber dieses Verhalten sehr erzurnt und legte der Mutter von Reinhildis nahe sich ihrer ungehorsamen Tochter zu entledigen Eines Tages machte sich der Stiefvater auf den Weg nach Osnabruck In dieser Zeit habe dann die Mutter ihre Tochter erschlagen Auf dem Heimweg aus Osnabruck sei der Stiefvater betrunken vom Pferd gesturzt und habe sich dabei den Hals gebrochen Der Leichnam der Reinhildis wurde auf einen Wagen gelegt vor dem Tiere gespannt waren die sie zu Lebzeiten gehutet hatte Die Tiere brachten ihren Leichnam dann nach Riesenbeck wo gerade mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen worden war An dem Grab der Reinhildis wurden viele Opfer dargebracht besonders von Menschen deren Vieh erkrankt war Auch die Grafen von Tecklenburg sollen an ihrem Grab Opfer dargebracht haben 4 In der Literatur beschrieben wird die Sage unter anderem von Friedrich Arnold Steinmann 1825 und von Johann Georg Theodor Grasse 1868 5 6 Laut dieser Sage wurde sie im Knuppenhaus einem Bauernhaus in Westerkappeln Dute geboren Dort hatte sie unter ihrer hartherzigen Mutter und ihrem Stiefvater harte Arbeit zu verrichten Sie war seit fruhester Kindheit sehr fromm und immer wenn sie die Kirchenglocken horte eilte sie zum Gottesdienst Die liegengebliebenen Arbeiten sollen Engel fur sie verrichtet haben So sollen trotz ihrer Abwesenheit die Pferde von Engelshand gefuhrt mehr Furchen im Acker gezogen haben als es ein Mensch vermag Dadurch dass die Eltern sahen dass Gott sich ihrer Tochter zuwendete sollen ihre Herzen sich noch mehr verhartet haben und sie verboten ihr zum Gottesdienst zu gehen Eines Tages soll ihre Mutter sie in einen Brunnen gestossen haben aber am nachsten Morgen sass sie wieder am Brunnenrand Aus Wut erwurgte die Mutter Reinhild und begrub sie im Stall unter den Tieren Zur gleichen Zeit soll ihr Stiefvater auf dem Ruckweg von Osnabruck vom Pferd gefallen sein und sich sein Genick gebrochen haben Der Stall soll daraufhin von einem Licht umhullt gewesen sein sodass die Tat von den Nachbarn schnell entdeckt wurde Reinhild wurde mit ihren Stiefvater in einem Grab beerdigt doch befand sich laut der Sage der Leichnam jeden neuen Morgen wieder ausserhalb des Grabes Daraufhin wurde ihr Leichnam auf einen Ochsenkarren gelegt Die Ochsen liefen dann frei ihres Weges In Ibbenburen angekommen sollen die Kirchenglocken ohne Zutun von Menschenhand zu lauten angefangen haben In Riesenbeck wo sie begraben wurde sollen die Ochsen in der Nahe des Grabes eine Quelle freigelegt haben Diese Reinhildisquelle soll Heilwirkung gehabt haben Im Grab selbst soll Reinhildis noch ganz unverwest sein Die Eigentumer des Knuppenhofes sollen sich Jahrhunderte hindurch immer wieder verpflichtet haben fur die Beleuchtung der Grabstatte in Riesenbeck zu sorgen um den Mord zu suhnen Gedenkkultur BearbeitenIn Riesenbeck Bearbeiten nbsp Ossenlock in RiesenbeckDie Pfarrkirche St Kalixtus wurde angeblich uber der Begrabnisstelle Reinhilds in Riesenbeck errichtet Das in der Kirche die zu Beginn des 19 Jahrhunderts neu gebaut wurde erhaltene Epitaph zeigt als eines der ganz wenigen Grabmonumente der romanischen Kunst ein Bild der Verstorbenen 7 Die Platte liess vermutlich Bischof Gerhard von Osnabruck 1261 1271 errichten 8 Dargestellt ist wie die Seele der betenden Reinhild von einem aus dem Himmel kommenden Engel in Empfang genommen wird Eine Umschrift berichtet vom Tod des Madchens das als Erbin ihres verstorbenen Vaters von der Mutter wegen ihres zweiten Ehemanns getotet wurde und den Himmelssitz bezog da sie Christi fromme Miterbin geworden REINHILDIS OBI TUS FUNDANT QUIQ UE PRECES P RO VIRGINE Q UAE FUIT HERES PATRIS DEFUNCTI GENITRIX QUAM SPONTE SECUNDI CONIUGIS OCCIDIT MOX PERCIPIENDO SUBIVIT SIDEREAS SEDES CHRISTI PIA FACTA COHERES GERHARDUS Reinhilds Tod Mogen alle beten fur die Jungfrau die Erbin ihres verstorbenen Vaters war und von ihrer Mutter auf Betreiben des zweiten Gatten ermordet wurde Bald ist sie emporgestiegen ihren Sitz im Himmel einzunehmen ist zur frommen Miterbin Christi geworden Gerhard 9 Die Reinhildisquelle in Riesenbeck versiegte mit dem Bau des Dortmund Ems Kanales um 1900 uber ihrem Platz ist 1929 ein Denkmal errichtet worden das Ossenlock nbsp Szene auf dem Reinhildis Brunnen Der im Jahr 1912 vor der St Kalixtus Kirche errichtete Reinhildis Brunnen gibt die Reinhildislegende bildlich wieder Die am 2 Dezember 2007 neu errichtete Pfarrgemeinde St Reinhildis Horstel tragt ihren Namen 10 Auch die Suntel Rendel Schule ist nach ihr benannt In Westerkappeln Bearbeiten In Westerkappeln ist eine Darstellung der Reinhildis wesentlicher Bestandteil des Ortswappens ursprunglich wohl die Heilige Katharina von Alexandrien hat sich die Ansicht eingeburgert dass es sich um Reinhildis handele 11 Die heutige Form des Wappens wurde am 21 Oktober 1958 festgelegt Historische Einordnung BearbeitenWestfalen ist nach dem Urteil des deutschen Germanisten Franz Jostes im Vergleich zu anderen Landern sagenarm er zahlt die Reinhildis Sage zu den altesten und interessantesten 12 Die Geschichte um Reinhildis ist oft beschrieben und hinterfragt worden 13 Zu den fruhen Autoren zahlt unter anderem von August Bahlmann 1858 Die Kirchenbucher des Bistums verzeichnen weder Angaben uber die Person noch uber eine Heiligsprechung Auch finden sich keine Uberreste des Leichnams Das Epitaph aus Baumberger Kalksandstein nach anderer Deutung ein Sarkophagdeckel stellt obwohl Reinhildis der Sage nach ein Bauernmadchen gewesen sein soll eine hochgestellte Person in byzantinischer Tracht dar Die Lebensgeschichte von Reineldis verfasst im 12 Jahrhundert enthalt einige ahnliche Elemente 14 Deren Uberreste befinden sich als Reliquie in einem Schrein zu Saintes Nach einem anderen Ansatz war Reinhildis eine Tochter von Jutta von Ravensberg und Graf Heinrich II von Tecklenburg 15 Der historische Hintergrund der Person der Reinheldis zu einer Zeit als Papst Alexander III das Recht der Heiligsprechung an sich zog 16 bleibt also fragwurdig Nach der Deutung des Privatforschers Siegfried Schoppe handelt es sich bei Reinheldis nicht um ein Bauernmadchen aus Westerkappeln das von seinen Eltern getotet wurde sondern um die alteste Tochter des Grafen Wichmann I von Hamaland Liutgard Grundungsabtissin des Kanonissenstifts Elten in Emmerich am Rhein die im Verlauf eines Erbstreits von ihrer jungeren Schwester Adela von Hamaland im Jahre 973 ermordet wurde 17 2020 legte der Heimatverein Riesenbeck das Ergebnis jahrelanger Recherche vor nach der die historische Dimension der Reinhildis Sage einer neuen Einordnung unterzogen wurde 18 Literatur Bearbeitenin der Reihenfolge des Erscheinens August Bahlmann St Rendel Friedrich Regensberg Munster 1858 August Winkelmann Sunte Rendel oder St Reinheldis Eine Legende und Legendenstudie Mit Beitragen von Karl Wagenfeld und Burkhard Meier Regensbergsche Buchhandlung Munster 1912 Gerhard Knarich Reinold und Reinhildis In Beitrage zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark Jg 31 1924 S 77 128 Heinrich Schauerte St Reinheldis von Riesenbeck Die Legende und ihre geschichtskritische Untersuchung In Heimatverein Riesenbeck Hrsg Riesenbeck Aus Vergangenheit und Gegenwart eines munsterlandischen Dorfes Lengerich 1962 S 7 28 Heimatverein Riesenbeck Hrsg Sunte Rendel Riesenbecker Heilige Gedenkschrift zum 75 Jahrestag des Ossenlock Denkmals Riesenbeck Horstel 2004 Werner Heukamp Sunte Rendel Ein Lebensbild in hoch und niederdeutscher Sprache Ibbenburener Vereinsdruckerei IVD Ibbenburen 2011 Heimatverein Riesenbeck Hrsg Reinhildis Miterbin Christi Der Grabstein und seine Geschichte in der St Kalixtus Kirche Riesenbeck Riesenbeck 2020 ISBN 978 3 00 067597 3 Einzelnachweise Bearbeiten Heike Harbecke Reinhildis von Riesenbeck Im Schutz der Engel Bistum Osnabruck 14 Juli 2006 online Internet Portal Westfalische Geschichte 25 Marz 2014 abgerufen am 26 August 2018 Historisch Centrum Overijssel Depositum Huisarchief Almelo Inventar Nr 3680 S 40f Der Graf von Tecklenburg besass 1338 ein Haus mit Garten am Kirchplatz in Riesenbeck Urkunde Nr 10 im Pfarrarchiv St Kalixtus Riesenbeck Depositum im Bistumsarchiv Munster Friedrich Arnold Steinmann Munsterische Geschichten Sagen und Legenden Coppenrath Munster 1825 S 70 Johann Georg Theodor Grasse Sagenbuch des Preussischen Staates 1 2 Band 1 Glogau 1868 71 S 672 674 online Abbildung des Epitaphs online Okumenisches Heiligenlexikon online mit Verweis auf Vera Schauber Hanns Michael Schindler Heilige und Patrone im Jahreslauf Pattloch Munchen 2001Walter Kasper Hrsg Lexikon fur Theologie und Kirche 3 Auflage Band 8 Herder Freiburg im Breisgau 1999 Ubersetzung Kurt Bauch Das mittelalterliche Grabbild de Gruyter Berlin 1976 ISBN 3 11 004482 X S 351 Pfarrgemeinde St Reinhildis Horstel online Heinz Weyer Bekanntes und Unbekanntes aus der Geschichte Westerkappelns Herausgegeben vom Kultur und Heimatverein Westerkappeln Westerkappeln 1994 zitiert nach Alexander Jonas Das Wappen Die Heilige Reinhildis online Franz Jostes St Reinhild von Riesenbeck und St Reiner von Osnabruck In Westfalische Zeitschrift Jg 70 1912 Nr 1 S 191 249 Gabriele Bohm Mittelalterliche figurliche Grabmaler in Westfalen von den Anfangen bis 1400 Lit Munster 2000 S 40 47 siehe auch die im Literaturverzeichnis aufgefuhrten Beitrage August Winkelmann Sunte Rendel oder St Reinheldis Eine Legende und Legendenstudie Regensbergsche Buchhandlung Munster 1912 Bauernmadchen oder eine Grafin von Tecklenburg In Neue Osnabrucker Zeitung 16 August 2005 Okumenisches Heiligenlexikon Heiligsprechung in der katholischen Kirche online Siegfried Schoppe Sachsisches Land und romisches Zivilrecht im Konflikt bei kirchlichen Vermogenszuwendungen im Mittelalter Der Fall der westfalischen Alleinerbin Reinheldis Verlag Dr Kovac Hamburg 2018 Gerd Althoff Reinhildis eine Heilige im Spiegel zeitgenossischer und spaterer Quellen In Heimatverein Riesenbeck Hrsg Reinhildis Miterbin Christi Der Grabstein und seine Geschichte in der St Kalixtus Kirche Riesenbeck Riesenbeck 2020 S 14 24 Karte mit allen verlinkten Seiten OSM WikiMap Normdaten Person GND 136556604 lobid OGND AKS VIAF 80880934 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Reinhild von RiesenbeckALTERNATIVNAMEN Reinhild von Westerkappeln Reinhildis Sunte RendelKURZBESCHREIBUNG Heilige und MartyrinGEBURTSDATUM 12 JahrhundertSTERBEDATUM 12 Jahrhundert 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