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Der Kanton Oberland war ein Schweizer Kanton der zur Zeit der Helvetischen Republik 1798 bis 1803 existierte und das Gebiet des Berner Oberlandes umfasste Zeitgenossische Karte der Helvetischen Republik und ihrer Kantone 1798Nach dem Einmarsch franzosischer Truppen am 6 Marz 1798 zerbrach die alte am Berner Patriziat orientierte Ordnung im Kanton Bern und von seinem Territorium wurden in der Folge die Waadt das Berner Oberland und der Unteraargau abgetrennt Das Berner Oberland spielte sowohl beim Einmarsch der franzosischen Truppen unter General Guillaume Marie Anne Brune wie auch bei der Neukonstituierung von Staatlichkeit im Regionalen und Nationalen ebenso bedeutende wie ambivalente Rollen Die Bruchstellen gemahnen dabei an die Reformation in den 1520er Jahren aber unter umgekehrten Vorzeichen Konservative Talschaften wie das Oberhasli oder das Frutigland als Transitachsen an Alpenpassen einst dem Kaiser verpflichtet mit einem entsprechenden Adler im Wappen und steuerlich privilegiert hatten die Reformation der Berner Obrigkeit ahnlich vehement bekampft wie sie jetzt Napoleons Neuerungen ablehnten und zu Bern standen Demgegenuber standen progressive Handelsplatze und Zentren wie Brienz Thun oder das Bodeli um die Habsburger Grundung Unterseen die einst die Berner Reformation mitgetragen hatten aber jetzt die Loslosung von Bern befurworteten Bezeichnend zeigte sich die Ambivalenz des Berner Oberlandes bereits beim Einmarsch der Franzosen hier Truppen aus dem Berner Oberland die unter General Karl Ludwig Reichsgraf von Erlach mit dem Boniger Hauptmann Christian Michel die alte Ordnung mit der Waffe verteidigen dort ebendiese Truppen die beim Ruckzug vor den Franzosen in der Nacht vom 3 auf den 4 Marz 1798 in Wichtrach ihren General von Erlach toten gegen den Widerstand von Hauptmann Michel der kurz vor seinem Tod schriftlich Rechenschaft ablegte die Taterschaft jedoch nicht nennen konnte Die Ambivalenz des Berner Oberlandes pragte den gleichnamigen Canton wahrend seiner gesamten kurzen Existenz von der Errichtung der Rhodanischen Republik durch General Brune am 16 Marz 1798 als erstmals vom Canton Berner Oberland die Rede ist uber den Stecklikrieg im Herbst 1802 als sich Anhanger der alten Ordnung vorab reprasentiert durch Berner und Innerschweizer Patrizier und Befurworter der neuen Ordnung zu denen helvetische Truppen gehoren zwischen Thun und Brunig keine Schlachten liefern aber bewaffnete Aufmarsche und Ruckzuge bis zum Ende des Kantons am 19 Februar 1803 als mit der Mediationsakte Bern das Berner Oberland wieder erhielt nicht jedoch die Waadt und den Unteraargau Auf der einen Seite standen im Oberland die sogenannten Patrioten die in allen Talern und Zentren vertreten waren jedoch vorab auf dem Bodeli in Brienz im Niedersimmental und in Thun klare Mehrheiten hatten und die Neuerungen Napoleons begrussten vorab Gewerbefreiheit demokratischere Wahlrechte und mehr Gleichheit in Steuerfragen Diese Anliegen wurden letztlich erst mit der Grundung des Schweizerischen Bundesstaates und den darauffolgenden Verfassungsrevisionen ab der Mitte des 19 Jahrhunderts umgesetzt im Hin und Her zwischen 1798 und dem Wiener Kongress 1815 standen die Patrioten im Berner Oberland und daruber hinaus auf der Verliererseite Auf der anderen Seite der Gewinner standen auch im Berner Oberland die Anhanger der alten Berner Ordnung Sie rekrutierten sich namentlich aus der regionalen Beamtenschaft dem Militar eingesessenen Gewerbetreibenden etwa von Transport und Gastgewerbe sowie lokalen Eliten mit steuerlichen Privilegien das Saanenland etwa das bereits den Grafen von Greyerz viele Rechte abgekauft hatte und sie unter bernischer Herrschaft behielt hielt in der Helvetik still Zwar sollte es dem Berner Patriziat trotz Unspunnenfest einem professionellen Spitzelwesen und massiver Repression nicht gelingen zwei Hauptziele der Revision zu erreichen die Ruckkehr der Waadt und des Aargaus heim ins bernische Reich Doch der Canton Oberland war bereits im April 1803 Geschichte und das nicht nur aufgrund der Aktivitaten der Stadt Bern und ihrer Anhangerschaft Das Berner Oberland das bereits 1348 1445 und 1528 Eigenstandigkeit konkret diskutiert hatte schaffte es als Staat nicht sich ordentlich zu konstituieren Wie namentlich Udo Robe in seinen Untersuchungen zu den wechselseitigen Beziehungen von Oberland und Stadt Bern umfassend dargelegt hat fehlte es dem Canton Berner Oberland an kompetenten Kraften zur Organisation und Verwaltung eines Staatswesens Auch hier Ambivalenz zum einen hochentwickelte politische Anspruche und Konzepte die von den helvetischen Raten in der Hauptstadt Aarau wohlwollend zur Kenntnis genommen werden zum anderen ein bisweilen anarchistischer und gewalttatiger Mob mit vielfaltigsten Motiven vom teilweise endemischen Freveln von Holz unter okonomischem Druck bis zum Begleichen lokalpolitischer Rechnungen 1801 war in der Verfassung von Malmaison vorgesehen dass das Oberland wieder zum Kanton Bern gehoren sollte Die beiden folgenden Jahre waren allerdings von Wirren und Staatsstreichen gepragt und die Ordnung der Helvetik brach praktisch ganz zusammen Die Mediationsakte von 1803 brachte die definitive Wiedervereinigung des Oberlandes mit dem Kanton Bern Der Regierungshauptsitz befand sich in Thun Der Kanton war in zehn Distrikte unterteilt Hauptorte in Klammern falls vom Distriktnamen abweichend Saanen Ober Simmental Zweisimmen Nieder Simmental Erlenbach Frutigen Aeschi Thun Unterseen Interlaken Wilderswil Brienz Oberhasli Meiringen Literatur BearbeitenAdrian Schmid Widerstand gegen die Helvetische Republik im Kanton Oberland die Insurrektion von 1799 in Berner Zeitschrift fur Geschichte 01 2009 S 3 47 online Udo Robe Berner Oberland und Staat Bern Untersuchungen zu den wechselseitigen Beziehungen in den Jahren 1798 bis 1846 Sonderdruck aus dem Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern Band 56 1972 Peter Michel Bonigen in napoleonischer Zeit herausgegeben vom Heimatverein Bonigen 2022 Ernst Schlappi Unterseen im alten Kanton herausgegeben von der Einwohnergemeinde Unterseen 2008 online Weblinks BearbeitenAnne Marie Dubler Oberland In Historisches Lexikon der Schweiz https austeilen ch als das berner oberland ein kanton war Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Kanton Oberland amp oldid 234195403