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Unter der Bezeichnung Weimarer Preisaufgaben schrieb Johann Wolfgang Goethe in den Jahren von 1799 bis 1805 einen Wettbewerb zur Forderung der bildenden Kunst aus Der Gewinner dieses im Anschluss an Goethes Italienreise und unter dem Einfluss von Winckelmanns Griechenlandbegeisterung initiierten Kunstpreises wurde abgesehen von einem Geldpreis durch eine Besprechung seiner Arbeit durch Johann Heinrich Meyer oder Friedrich Schiller in der Zeitschrift Die Propylaen gefordert Inhaltsverzeichnis 1 Die Propylaen 2 Der Wettbewerb 2 1 Bedingungen 2 2 Ziel des Wettbewerbs 2 3 Bekannte Teilnehmer 3 Literatur 4 Weblinks 5 EinzelnachweiseDie Propylaen BearbeitenMit der Grundung der Propylaen verbanden Goethe und Meyer ausdrucklich die Absicht durch kunsthistorische Forschung durch kunsttheoretische Reflexion und kunstkritische Analyse im Sinne eines klassizistischen Kunstprogramms auf die Kunstler und Kenner ihrer Zeit einzuwirken Dichtung und Kunst sollten anhand von Vorbildern aus der klassischen Antike zeigen wie der einzelne seinen Charakter veredeln konnte Die Zeitschrift war in ihrer Tendenz gegen die Romantik gerichtet Ab 1802 erschienen die Rezensionen in einem Beiblatt der Allgemeinen Literatur Zeitung da die Propylaen wegen mangelnden Absatzes ihr Erscheinen einstellen mussten Der Wettbewerb BearbeitenBedingungen Bearbeiten Die Wettbewerbsbedingungen wurden wahrend der ganzen Zeit nicht verandert Bewertet wurden nur Zeichnungen Die gestellten Themen stammen fast alle aus der Ilias und der Odyssee des Homer es gab wenige historische Themen und nur eins ohne mythologischen oder historischen Hintergrund Gefordert waren grosste Einfachheit und Okonomie in der Darstellung und in der Ausfuhrung ein reinlicher Umriss mit der Feder Lavierungen und der Gebrauch von Kreide waren erlaubt 1804 wurde der Preis nicht vergeben In der Weimarer Ausstellung waren gleichzeitig Zeichnungen von Asmus Jakob Carstens zu sehen gegen deren herausragende Qualitat die eingereichten Arbeiten offenbar zu stark abfielen so dass man von einer Preisverleihung absah Die letzte Preisverleihung fand 1805 statt Das Ende des Wettbewerbs soll auf die Emporung vieler Kunstler uber die Vergabe des ersten Preises an Caspar David Friedrich zuruckzufuhren sein 1 Statt der Darstellung von Fabeln und Sagen uber den Herkules so das Thema reichte der Maler zwei allegorische Landschaftsbilder ein die nach den Regularien des Ausscheides gar nicht hatten angenommen werden durfen Goethe soll personlich entschieden haben dass dem Dresdner Maler neben Joseph Hoffmann ex aequo die Halfte des Preisgeldes zugesprochen wird Die Grunde dafur blieben unklar Die anderen Teilnehmer sahen in der Entscheidung Willkur Ziel des Wettbewerbs Bearbeiten Die Preisaufgaben sind als Goethes Versuch zu sehen Einfluss auf die bildenden Kunste seiner Zeit zu nehmen Entstanden war die Idee aus nostalgischen Erinnerungen an seine Zeit in Rom wo es offenbar in der Gesellschaft von Kunstlern Kennern und Kunstliebhabern nach der Diskussion bestimmter Themen zu einer spontanen Ausfuhrung durch die Kunstler kam Das Zusammenwirken von Kunstlern Kennern und Kunstliebhabern wurde von Goethe als fruchtbare Konstellation fur die Kunstentwicklung gesehen Die Situation eines Wettbewerbs war dabei nichts Ungewohnliches Philipp Otto Runge erzahlte Goethe von ahnlichen Erfahrungen an der Akademie in Kopenhagen Ein derartiger Wettbewerb war fur die Kunstler auch insofern attraktiv als durch die Rolle Goethes als Freund und Forderer der bildenden Kunst der Status des Kunstlers selbst aufgewertet wurde indem Goethe namlich die Absicht verfolgte die Kunst selbst zu hoherer Vollkommenheit zu fuhren und dieser einen umfassenden Bildungswert fur die Gesellschaft zuzusprechen Die Berufs und Karriereaussichten durften fur die damaligen Absolventen der Akademien alles andere als rosig gewesen sein gab es doch in dem kleinstaatlich organisierten Deutschland kein wirtschaftlich und politisch machtiges Zentrum das die besten Kunstler hatte anziehen und finanzieren konnen mit dem Effekt einer Steigerung des allgemeinen Niveaus und einer Vorbildwirkung fur den kunstlerischen Nachwuchs Goethes Projekt kann als Versuch angesehen werden in Weimar ein geistiges Zentrum zu etablieren von dem aus Standards und Richtlinien und zwar die eines konsequenten Klassizismus formuliert und praktiziert wurden die ihrerseits vorbildlich fur den Kunstbetrieb in Deutschland werden sollten Die Absichten Goethes und die in den Ausstellungen gezeigten Arbeiten wurden zwar von der Kritik freundlich aufgenommen insgesamt war das kunstlerische Ergebnis aber aus heutiger Sicht enttauschend Mit der aufkommenden Romantik distanzierten sich die Kunstler von einem als trocken steif und kopflastig empfundenen Klassizismus wie sie ihn in Weimar vertreten sahen um sich neuen Feldern wie der Landschaftsmalerei und dem privaten empfindsamen Portrat zuzuwenden Bekannte Teilnehmer Bearbeiten Peter von Cornelius 1783 1867 Caspar David Friedrich 1774 1840 Preistrager 1805 Ferdinand Hartmann 1774 1842 Joseph Hoffmann 1774 1812 Preistrager 1805 Erdmann Hummel 1769 1852 Ludwig Hummel 1770 1840 Gemeinsamer Preistrager 1802 Johann August Nahl der Jungere 1752 1825 Preistrager 1801 Franz Riepenhausen 1786 1831 Johannes Riepenhausen 1787 1860 Philipp Otto Runge 1777 1810 Johann Martin von Rohden 1778 1868 Gemeinsamer Preistrager 1802 Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld 1764 1841 Christian Friedrich Tieck 1776 1851 Literatur BearbeitenDer Sammler und die Seinigen Handzeichnungen aus Goethes Besitz Ausstellung des Goethe Nationalmuseums Weimar und der Casa di Goethe Rom im Kulturstadtjahr 1999 Andreas Beyer Johann Heinrich Meyer zensiert Preisaufgaben In Gerhard Schuster u Caroline Gille Hrsg Wiederholte Spiegelungen Weimarer Klassik 1759 1832 Hanser Verlag Munchen Munchen 1999 Band 1 S 403 412 Weblinks BearbeitenAbbildungen der beiden erstpramierten Zeichnungen der Weimarer Preisaufgaben von 1801Einzelnachweise Bearbeiten Detlef Stapf Caspar David Friedrich Die Biographie Okapi Verlag Berlin 2019 ISBN 978 3 947965 02 1 S 146 f Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Weimarer Preisaufgaben amp oldid 234070926